Immobiliengutachten können die Grundlage für wichtige finanzielle, steuerliche oder rechtliche Entscheidungen bilden. Umso wichtiger ist es, die Qualifikation eines Immobiliengutachters richtig einordnen zu können.
Dabei sorgen zahlreiche Zertifikate, Normen und Anbieter schnell für Verwirrung. Entscheidend ist nicht allein der bekannte Name auf einer Urkunde, sondern was tatsächlich geprüft wurde und für welchen Fachbereich die Qualifikation gilt.
Was bestätigt ein Lehrgangszertifikat?
Ein Lehrgangs- oder Teilnahmezertifikat bestätigt zunächst, dass eine bestimmte Weiterbildung besucht wurde. Ob am Ende eine unabhängige Prüfung stattgefunden hat und wie umfangreich diese war, lässt sich daraus nicht automatisch ableiten.
Solche Nachweise können eine fachliche Weiterbildung dokumentieren. Sie sind jedoch nicht mit einer umfassenden Personenzertifizierung gleichzusetzen.
Was ist eine Personenzertifizierung?
Bei einer Personenzertifizierung werden die Kenntnisse und Fähigkeiten einer bestimmten Person anhand festgelegter Anforderungen geprüft.
Je nach Zertifizierungsprogramm können dazugehören:
− Nachweis geeigneter Ausbildung
− Mehrjährige Berufserfahrung
− Schriftliche Fachprüfung
− Mündliche Prüfung
− Erstellung eigener Gutachten
− Prüfung eingereichter Arbeitsproben
− Regelmäßige Fortbildung
− Überwachung während der Zertifikatslaufzeit
Eine solche Prüfung ist kein kurzer Online-Test. Sie verlangt fundiertes Fachwissen, praktische Erfahrung und die Fähigkeit, komplexe Immobilienbewertungen nachvollziehbar zu bearbeiten.
Was bedeutet DIN EN ISO/IEC 17024?
Die DIN EN ISO/IEC 17024 ist eine internationale Norm für Stellen, die Personen zertifizieren. Sie legt Anforderungen an objektive, unabhängige und nachvollziehbare Zertifizierungsverfahren fest.
Die Norm ist keine Bewertungsmethode für Immobilien. Sie regelt vielmehr, wie die Kompetenz einer Person geprüft, bestätigt und überwacht wird.
Eine Zertifizierung gilt dabei immer für einen bestimmten fachlichen Bereich. Eine Zertifizierung für Bauschäden ist beispielsweise nicht automatisch eine Zertifizierung für die Marktwertermittlung von Immobilien.
Was ist eine DAkkS-akkreditierte Zertifizierung?
Die Deutsche Akkreditierungsstelle – kurz DAkkS – ist die nationale Akkreditierungsbehörde der Bundesrepublik Deutschland.
Die DAkkS zertifiziert nicht unmittelbar den einzelnen Immobiliengutachter. Sie prüft und akkreditiert die jeweilige Zertifizierungsstelle für einen genau festgelegten fachlichen Geltungsbereich.
Der korrekte Zusammenhang lautet daher:
Eine Person wird von einer Zertifizierungsstelle zertifiziert, die für den betreffenden Bereich nach DIN EN ISO/IEC 17024 akkreditiert ist.
Eine bloße Bezugnahme auf die Norm reicht nicht aus. Entscheidend ist, ob die Zertifizierungsstelle für das konkrete Zertifizierungsprogramm tatsächlich akkreditiert ist. Ein wichtiger Hinweis darauf ist das Akkreditierungssymbol auf dem Zertifikat.
Welche Rolle spielen DEKRA und TÜV?
DEKRA und die verschiedenen TÜV-Organisationen bieten zahlreiche Lehrgänge, Prüfungen und Personenzertifizierungen an. Diese können fachlich anspruchsvoll sein und eine wertvolle Zusatzqualifikation darstellen.
Der bekannte Name des Anbieters allein sagt jedoch noch nicht aus, ob das jeweilige Programm nach DIN EN ISO/IEC 17024 akkreditiert ist.
Deshalb sollte immer das konkrete Zertifikat geprüft werden:
− Wie lautet die genaue Bezeichnung?
− Welche Kenntnisse wurden geprüft?
− Für welche Immobilienarten gilt es?
− Wie umfangreich war die Prüfung?
− Ist das Zertifikat zeitlich befristet?
− Besteht eine Akkreditierung für diesen Bereich?
Bei DEKRA umfasst die Stufe D1 insbesondere Standard-Einfamilien- und Zweifamilienhäuser. Die Stufe D2 erweitert den fachlichen Bereich auf Wohnimmobilien und einfache gewerbliche Objekte.
Welche akkreditierten Zertifizierungsstellen gibt es?
Im Bereich der Immobilienbewertung gibt es verschiedene Zertifizierungsstellen und Zertifizierungsprogramme. Dazu gehören beispielsweise:
− IQ-ZERT
− HypZert
− DIAZert
− Sprengnetter Zertifizierung
Diese Stellen bieten unterschiedliche Zertifizierungsstufen und fachliche Geltungsbereiche an. Nicht jedes Angebot einer Organisation muss automatisch akkreditiert sein.
Maßgeblich ist deshalb immer das konkrete Zertifikat. Die aktuelle Akkreditierung und deren genauer Geltungsbereich können in der Datenbank der DAkkS überprüft werden.
Ist eine Zertifizierung mit der öffentlichen Bestellung gleichzusetzen?
Eine Personenzertifizierung und die öffentliche Bestellung sind unterschiedliche Qualifikationswege. Sie werden von verschiedenen Stellen vergeben und folgen jeweils eigenen Voraussetzungen und Verfahren.
Für Auftraggeber ist vor allem entscheidend, ob die nachgewiesene Qualifikation zur jeweiligen Immobilie, zum Bewertungsanlass und zum vorgesehenen Verwendungszweck des Gutachtens passt.
Eine akkreditierte Personenzertifizierung kann gegenüber Finanzämtern, Behörden und Gerichten ein wichtiger Nachweis der fachlichen Qualifikation sein. Eine automatische Anerkennung jedes Gutachtens folgt daraus jedoch nicht: Entscheidend sind zusätzlich der Bewertungsanlass, der fachliche Geltungsbereich der Zertifizierung sowie die methodische und inhaltliche Qualität des konkreten Gutachtens.
Meine Qualifikation und Erfahrung
Ich bin durch IQ-ZERT als Sachverständiger für die Marktwertermittlung von Wohn- und Gewerbeimmobilien zertifiziert.
IQ-ZERT ist für diesen Zertifizierungsbereich nach DIN EN ISO/IEC 17024 durch die DAkkS akkreditiert. Meine persönliche Zertifizierung wurde nach einer schriftlichen und mündlichen Prüfung sowie der Prüfung eines von mir selbst erstellten Gutachtens erteilt.
Das Zertifikat trägt die Nummer S 1744 und ist bis August 2031 gültig.
Ergänzend verfüge ich über die Qualifikationen DEKRA D1 und DEKRA D2. Diese umfassen die Bewertung von Standard-Einfamilien- und Zweifamilienhäusern sowie von Wohnimmobilien und einfachen gewerblichen Objekten.
Neben meinen nachgewiesenen Qualifikationen verfüge ich seit Jahren über praktische Erfahrung in der Immobilienbewertung. Ich erstelle Gutachten für Immobilien in ganz Deutschland und verbinde dabei fundiertes Fachwissen mit langjähriger Erfahrung im Immobiliengeschäft.
Worauf sollten Auftraggeber achten?
Vor der Beauftragung eines Immobiliengutachters sollten Sie insbesondere folgende Punkte prüfen:
− Genauer Wortlaut der Qualifikation
− Aussteller des Zertifikats
− Fachlicher Geltungsbereich
− Akkreditierung der Zertifizierungsstelle
− Zertifikatsnummer und Gültigkeitsdauer
− Erfahrung mit der jeweiligen Objektart
− Persönliche Besichtigung der Immobilie
Ein seriöser Sachverständiger sollte seine Qualifikationen eindeutig und überprüfbar darstellen können.
Fazit
Zertifikat ist nicht gleich Zertifizierung. Ein Lehrgangsnachweis, eine anbieterbezogene Qualifikation und eine akkreditierte Personenzertifizierung haben unterschiedliche Voraussetzungen und Aussagekraft.
Entscheidend sind nicht allein bekannte Namen oder Logos. Auftraggeber sollten vielmehr den fachlichen Geltungsbereich, die Prüfungsanforderungen, die Gültigkeit und eine mögliche Akkreditierung betrachten.
QUELLEN
Deutsche Akkreditierungsstelle – Personenzertifizierungen nach DIN EN ISO/IEC 17024:
https://www.dakks.de/de/zertifizierungsstellen-fuer-personen-din-en-iso-iec-17024.html
DAkkS – Amtliche Mitteilung zur Zertifizierung von Sachverständigen:
DEKRA – Personenzertifizierungen Immobilienbewertung:
https://www.dekra-certification.de/de/immobilienbewertung-personenzertifizierung/
HypZert – Zertifizierung und Qualifizierung:
https://www.hypzert.de/de/ueberblick-zertifizierung-qualifizierung
DIAZert – Zertifizierungsstelle Immobilienbewertung:
https://www.diaconsulting.de/de/20/Ueber%2Bdie%2BDIAZert
Sprengnetter – Zertifizierung von Sachverständigen:
